Das erotische Menü – Tintenfische nach neapolitanischer Art.

Calamari in umido alla napoletana für vier Personen

Du bist gerade die Lahn hinaufgeschlängelt oder hast in der Eiffel im Kylltal zwischen Gerolstein und Kyllburg mit den Fußrasten den Asphalt gegrüßt oder hast schlicht auf der Autobahn dem Bike mal so richtig die Sporen gegeben – kurz: du bist einfach high, springst vom Bike und willst jetzt mal was Richtiges erleben. Da sage ich nur Petersilie.

Petersilie? – Genau, Petersilie.

Petersilie ist nicht nur eine harmlose Decopflanze, die Mütterchen mit zitteriger Hand über die Schinkenplatte streuselt. Oh nein, dieses Pflänzchen hat es faustdick hinter seinen krausen Ohren. Schon die mittelalterlichen Trottoirschwälbchen, die ihren Standort in der Petersiliengasse oder in Peterles Gässchen hatten, wussten es: Sie hilft dem Mann aufs Pferd und der Frau unter die Erd.
Damit haben wir ein dialektisches Heilkraut.

Einerseits: Schon in der Antike war bekannt, dass zerstoßener Petersiliesamen, in Übermaß genossen, zur Fehlgeburt führt. Das war für viele Frauen ein herber Schlag, für einige jedoch ein Segen, handelte es sich hier doch um eine ganz legale Abtreibung. Dumm war nur, dass die Wirkung nicht immer genau kalkuliert werden konnte, so dass oft mit dem Fötus auch die Frau die Petersilie von unten sah.

Andererseits: Petersilienwurzeln, Blätter und Stängel klein gehackt und auf Korn (oder sonst einem billigen Schnaps) gezogen ließen das Beste am Mann seine stattliche Größe finden. Die moderne Gewächshauskultur hat jedoch die ehemals so potente Petersilie erfolgreich kastriert, aber niemand hindert die liebende Frau daran, im sonnigen Fleckchen ihres Gartens mit träumerischen Augen ihre Pflänzchen zu pflegen.

Und damit hast du die große Chance, die Träume deines träumerischen Mädchens mit deinem herumtobenden Hormonpegel zu synchronisieren.

Das brauchst du für dich und dein träumerisches Mädchen und für vielleicht noch zwei Gäste:

Ein ordentliches Motorrad und eine große mollige Pfanne mit Deckel und

  • 800 g Tintentische (Kalmare, Calamares), nicht viel länger als meine Hand (die großen Calamares sind zu zäh).
    Was du wissen solltest: Die glitschigen Kleinen stecken voll Zink und Jod, ein Tuningadditiv der Sonderklasse für die Testosteronproduktion.
  • 150- 250 g grüne entkerne Oliven, ich halbiere sie immer. Wenn sie mit roten Paprikaschoten gefüllt sind, macht sich das optisch super.
  • 30 g Kapern, die halbiere ich auch.
  • 700 g enthäutete Tomaten, in grobe Stücke geschnitten.
  • 1 mittelgroße Zwiebel, klein gehackt.
  • 1 Bund  Petersilie,
    am besten die großblättrige Mittelmeerpetersilie,  die ist sehr würzig, ein Treibhaus ist ihr fremd, und in ihren Adern rollt noch die archaische Kraft von 24 Stieren. Auch klein gehackt sind diese 24 Stiere voller unbändiger Lust.
  • 3 mittelgroße Knoblauchzehen, ganz klein gehackt.
    Ist mir peinlich, dass ich kurz unterbrechen muss. Wer denkt schon bei Knoblauch an Erotik. Dabei liegt es auf der Hand:
    Knoblauch bringt den Kreislauf in Toppform, und damit auch all das im liebenden Körper, das mal so richtig klingeln möchte, wenn sich die beiden Augenpaare ineinander versenken.
    Und: Der gemeinsame Knoblauchgenuss lässt unerwünschten Besuch außen vor.
    Und wenn nur einer sich den Knoblauch reinzieht? Dann beweist sich die wahre Liebe.
  • 0,1 ( oder so) Liter trockenen Weißwein.
  • 1 Päckchen Safran =ca. fünf Fäden).

Ist mir wieder peinlich, ich muss noch einmal kurz anhalten. Bei dem Wort „Safran“ werde ich immer ganz unruhig.
Die alten Phönizier bereiteten zu Ehren ihrer Liebesgöttin stark safrangewürzte Kuchen, wenn sie sich Glück in der Liebe wünschten.
Marco Polo wusste genau, warum er ein Tütchen Safran  unter dem Pferdesattel geparkt hatte, denn schon in Samarkand raunten sich die Männer die indische Weisheit zu: „Trink warme Milch mit Safran, und bist du fit für die ganze Nacht!“
Aber vielleicht hatte er auch raunen gehört, dass die indischen Schönen sich Safranfäden in ihre dunklen Schamhaare flochten, um die Männer auf Touren zu bringen – da hätten unsere Girls heute echte Probleme.

  • 0,2 l warmes Wasser
  • 0,2 l Weißwein (preiswert, aber trocken)
  • Olivenöl, Salz, schwarzen Pfeffer,.
  • geriebenen Käse nach Wahl (Ich nehme mittelalten Gouda)
  • geröstetes Baguette.

Und so gehe ich vor, der ich nicht von einer Tour zurückgekommen bin, sondern aus einem freundlichen Schlummer nach einem freundlichen  Traum an den umliegenden Gestaden der südlichen Nordsee den Tag begrüße.

1. Teil
Es ist ein sonniger Sonnabend. Früh spring ich  aus dem Bett, brause mit dem Motorrad nach Groningen, parke meine Maschine an der Martinikerk am Großen Markt und stampfe entschlossen zum Fischmarkt. Dort haue ich die Packtaschen voll mit Thunfisch, Sardinen und Tintenfischen und was weiß ich, schwinge ich mich beschwingt wieder auf meinen Bock, mache heute keinen schnellen Stopp an meinem Lieblingscoffeeshop De Vliegende Hollander in der Zuiderdiep, denn der liegt in der falschen Richtung, sondern brause heim.

Dort ist viel zu tun, was ich jetzt einmal streiche. Ich konzentriere mich auf die 800 g Tintenfische. Damit kommen wir zum

2. Teil
Unter Wasser ist der Kalmar ein eleganter Geselle,  über Wasser leider nur noch eine glitschige Leiche, die grob gesprochen aus drei Teilen besteht: dem Kopf mit den Tentakeln, dem Hohlkörper und dem inneren Rückenknorpel.

Ich ziehe jetzt beherzt den Kopf aus dem Hohlkörper, schneide die Tentakel kurz vor den Augen ab. Der Kopf kommt in die Biotonne. Das kleine kugelförmige Knorpelstück, das sich noch am Tentakelwulst befindet, ebenfalls. Wenn mir die Tinte das schöne T-Shirt versaut, bin ich selber Schuld. Dann quetsche ich die Innereien aus dem Hohlkörper und ziehe den plastikartigen schlanken Rückenknorpel heraus. Bricht er ab, so zucke ich nur mit den Schultern. Ganz Sorgfältige schaben auch noch das leicht marmorierte Häutchen von dem Körper. Mich hat es nie gestört.
Jetzt schneide ich die Körperstücke in 1,5-2  cm breite Ringe. Die großen Tentakel verkleinere ich entsprechend. Drei oder vier der besonders kleinen Körperstücke bleiben ganz. Das macht sich gut fürs Auge. Und damit komme ich zum

3. Teil
Ich greife mir die mollige Pfanne, fülle sie mit einem (wirklich) ordentlichen Schuss Olivenöl und erhitze bei mittlerer Hitze die klein gehackte Zwiebel und die Petersilie (klingt pervers, kommt aber wirklich gut). Das Ganze lösche ich mit Wein und drehe die Flamme hoch. Wenn alles einigermaßen eingekocht ist, kippe ich die Kapern, die Oliven, die Tintenfische, den größten Teil der Tomaten und den Safran hinzu, salze, pfeffere, gieße das lauwarme Wasser hinzu und dünste das Ganze 10 Minuten bei geschlossener Pfanne.
Jetzt befreie ich die schmurgelnden Tintenfische von dem düsteren Deckel und lasse sie bei offener Pfanne auf mittlere Hitze in 20 Minuten gar werden. Die Flüssigkeit korrigiere ich mit Weißwein. Wie der Spagettikoch probiere ich per Biss, ob die Tintenfische gar sind, denn oft haben sie schon vor den 20 Minuten die Zielgerade erreicht.
Erst die letzten fünf Minuten gebe ich den Rest der Tomaten hinzu – da steht mein Girl drauf, die gerade dabei ist, sich die Safranfäden leise lächelnd in das Schamhaar zu flechten.

4. Teil
Während alles so ausgelassen und glücklich vor sich hingurgelt, röste ich das Brot, das die Tintenfische begleiten soll, reibe den Käse, den wir über diese Köstlichkeit streuen wollen und suche für mich und mein Girl einen trockenen rustikalen Rotwein. Dann  freuen wir uns auf einen schönen Abend. Und da die Menge eigentlich für vier Personen reicht, freut sich auch der Gefrierschrank.

 

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