Pasta Finocchio alla Grecia, die schwule Pasta

Eins gleich vorweg: Diese Pasta ist genauso wenig schwul wie italienisch. Erfunden wurde sie irgendwo zwischen  Castrop- Rauxel und Berlin Kreuzberg. Warum „schwul“?  Weil die Fenchelknolle schwul ist. Das heißt, die Knolle ist nicht schwul, aber ihr Name, denn was sagt der Italiener, wenn er schwul ist?  „Sono finocchio“ sagt er . Und damit hat auch diese Pasta ihren Namen weg.
Das ist alles ein wenig verwirrend, aber als Biker weißt du eh: Namen sind Schall und Rauch. Ob nun Straßenrenner oder Cruiser, ob Harley oder Japaner, ob BMW oder Hosenträger, alles ist eine Sache der persönlichen Orientierung.
Und das gilt natürlich auch für schwul und unschwul.

Das hat schon Plato gewusst, als er im Jahre 401 vor Chr. die putzigen Kugelmenschen erfand. Das waren faszinierende Gebilde:  Rund wie der Mond und kraftvoll wie die Sonne, mit vier Augen und vier Ohren, mit zwei Mündern, zwei Bauchnabeln und zwei Geschlechtern kugelten sie glücklich auf der Erde umher. Eifersucht? Fehlanzeige. Ehebruch und Ehekrach? Unbekannt. Und die böse Schwiegermutter? Die kugelte glücklich mit Schwiegervatern über die Heide, und beide kicherten, was das Zeug hielt. Und wenn nicht die neidischen Götter gewesen wären, würden sie noch heute mit quietschendem Leder um den Olymp kurven und dabei lustvolle Schreie in den Himmel schicken.
Aber die Götter waren eben da, und neidisch wie sie nun mal sind, fanden sie dieses hemmungslose Glück zum Würgen.
Zeus fackelte nicht lange, griff zum Hackebeil und hackte diese glücklichen Menschenkugeln wie die Radieschen für die kalte Platte in zwei Hälften.

Nun ist es dem Radieschen egal, wie es zerlegt wird, nicht aber dem Kugelmenschen. Und Zeus, ganz Mann („Ich kann das!“), brachte alles durcheinander und hackte mal gerade, manchmal schief, mal hetero, mal homo, mal stereo. Und wer weiß schon, wo bei ihm oder ihr der Schnitt liegt, wie viel Teile er/sie von der anderen Seite hat. Einen klaren Schnitt hat der Göttervater eh selten hinbekommen.

Aber von dem Ergebnis lebt die Liebesliteratur: Jede Hälfte sucht seit dieser Hackerei von nun an ihre ganz eigene andere Hälfte, um sich wieder mit ihr zu vereinen. Denn die Einheit in der Zweisamkeit ist doch das Schönste.

Wenn dich dies alles verwirrt, ein Tipp: Nimm dir eine kleine Auszeit, geh zu deinem Bike und schau ihm einmal tief in die blanken Linsenscheinwerfer.
Da wird wirst du einiges lernen, denn dein Bike ist trotzt seines weiblichen Geschlechts ein Mann, stahlhart, wieselflink und mit einem Röhren, das verkündet: Hey Mädels, hier komm ich!

Und siehst du: Schon huscht ein Lächeln über dein nicht mehr ganz taufrisches Gesicht. Vielleicht merkst gar nicht, dass die Frage deiner eigenen geschlechtlichen Orientierung auf einmal im Raum steht. Gibst du an der Ampel der Ninja röhrend die Sporen, weil da drei so was von niedlichen girls auf ihren Hollandrädern auf dem Weg zu Schule sind, oder haust du die Drehzahlen hoch, weil du mit der männlichen Urgewalt von 145 PS in einen ganz persönlichen Dialog treten möchtest, gleichsam von Mann zu Mann?

Denk nicht zu lange darüber nach, bekenne dich zu deinen weiblichen Genen und wisse: Ob homo, hetero oder stereo – vor Gott, Karl Marx und der Motorradindustrie (jeder Vergleich hinkt irgendwie) sind alle Menschen gleich.

Und jetzt ,da du dein Gleichgewicht wieder gefunden hast, kannst du dich auch an die schwule Pasta wagen

 1. Die Zutaten (für vier Personen)

  Das brauchst du für den Koch:

  • Ein Glas Portwein, aber den mit dem dry finish.

Und das brauchst du für die Pasta:

  • 500 g Pasta –  und zwar keine Spaghetti, Spaghettini, Maccheroni oder Cannelloni, auch keine Rigatoni, Manicotti oder Ravioli, schon gar nicht Gnocchi oder Fettuccine, nein, zu den Bucatini greifst du, den dicken Spagettis, die innen ganz hohl sind.
  • 4 L Wasser
  • 3 TL Salz
  • Einen Schuss Olivenöl vom Feinsten

Mittelmeerurlauber streichen das Salz, weil sie sich natürlich das Wasser aus dem Meer holen – auch wenn die anderen Urlauber dumm gucken, die Einheimischen tun es nicht.

Und das für die Sauce

  • 2–4 Fenchelknollen (450g)
    Kocht die Frau für eine geliebte Frau, ersetzt sie die drallen Knollen durch den schmusigen Broccoli
  • 300 g Tomaten
  • 1 Zucchini  (250g)
  • 1 Zwiebel mittelgroß
  • 150 ml Sahne oder Crème Fraiche
  • 200 g Feta
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 EL Olivenöl
  • Schuss Rotwein
  • Kräuter und Gewürze:
    ½ TL Thymian
    ½ TL Rosmarin
    ½ TLOregano
    2 EL frisches Basilikum gehackt
    1–2 rote Chilischoten (je nach Schärfe)
    frisch gemahlener  schwarzer Pfeffer

Und zum Korrigieren der Sauce: trockenen Rotwein

2. Und jetzt geht es los

  • Die Pasta  in das sprudelnde Salzwasser schmeißen, aufkochen lassen und dabei kurz, aber energisch umrühren. Und schon vergeht der Pasta das eklige Verkleben. Dann bei halb bedecktem Topf die Nudeln in wellendem Wasser maximal 8-10 Minuten kochen. Gegen Ende auf Bissfestigkeit überprüfen. Nur ein Kuhfladen in deiner Lieblingskurve ist schrecklicher als eine matschige Pasta auf deinem Teller.Dann alles in ein großen Sieb kippen, abtropfen lassen und zurück in den Topf. Bei kleiner Flamme die restliche Feuchtigkeit unter Umrühren verkochen lassen und der Pasta mit einem ordentlichen Schuss Olivenöl den breiten Atem des Mittelmeeres einhauchen.Hinweis: Öl in das Kochwasser zu kippen, ist sinnlose Verschwendung: Das Öl verliert seinen Geschmack und durch das anfängliche Umrühren der Pasta verhinderst du eh das Verkleben.
  • Die Sauce ist eigentlich keine Sauce, das ist eher eine Ratatouille im Kommen. Den schwulen Fenchel zerlegst du in grobe Würfel, den würzigen Knoblauch in ganz kleine, und die scheuen und geschälten Zucchini in dünne Scheiben.Die Zwiebeln hackst du klein und den Feta baust zu 1x1cm große Würfel um.Jetzt ziehst du den Tomaten die Haut über die Ohren und würfelst auch sie (nicht die Ohren).Und zuletzt schneidest du die Chilischoten in feine Ringe (TIPP: wenn du vorher die Kerne entfernst, dann reduziert sich die Schärfe deutlich)
  • Und nun geht es Schlag auf Schlag:
    Zwiebel glasig dünsten, dann den Knoblauch in die Zwiebeln für eine Minuten mitdünsten und anschließend den Fenchel bei mittlerer Flamme unterrühren, die Zucchini hinzu und für fünf Minuten den Deckel drauf.Deckel runter, Gewürze, Chilischoten, Pfeffer rein.Wenn alles etwas zu trocken ist, einen Schuss Rotwein rein, dass es nur so zischt, dann die Sahne oder Crème Fraiche hinzu, gefolgt von den Tomaten.Alles kräftig umrühren, durchatmen und den letzten Schluck Port über die Zunge rollen lassen. Jetzt hebst du – zwei Minuten sind wohl vergangen – das Basilikum und den Fetakäse. vorsichtig unter die ganze Ensemble.

Und wenn du es besonders gut meinst heute Abend, dann reibst du etwas Padano oder Parmigiano und stellst ihn mit einem leichten Bardolino, aber einem ordentlichen, auf den Tisch. Und du wirst sehen, ob schwul oder unschwul, ihr Vier werdet einen wunderschönen Abend miteinander verbringen.

Veröffentlicht unter Pasta.

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