Grillen – ein Vorwort

Heute wird gegrillt

Braun gebrannt, schmale Hüfte, ein Po, auf dem du Nüsse knacken kannst, in der rechten Hand ein Dreizack aus dem Touristenshop um die Ecke, auf dem Kopf Maske und Schnorchel, wiegend-elegante Sprünge von Klippe zu Klippe. Ein Blick aus den Augenwinkeln.

Okay, alles klar. Dein Mädchen atmet Bewunderung. Der niedliche Blondschopf hinter ihr auch.
Ein letzter, enorm ungeheuer und eindruckvoller Satz, und dann liegt es vor dir,  das klare Wasser der Algarve –  und wuuusch, schon spritzt es überrascht in die Höhe und heißt dich willkommen.

Ein Biker auf Fischfang. Grundmotiv: Der Grill ruft. Die Besa lächelt. Sie kennt das. Sie weiß: Männer sind ein putziges Völkchen. Mit majestätischer Geste springen sie in der Wildnis herum. Und warum? Um der Geliebten ein Löwenfell vor die Füße zu legen.
Manchmal auch nur einen zutraulichen Knurrhahn, der friedlich auf die blitzende Maske zuschwimmt. Ein kompetenter Stoß mit dem Dreizack, ein präziser Treffer in die Breitseite und der Knurrhahn knurrt verdutzt ab in die Tiefe.

Sack und Asche! Ein stumpfer Dreizack. Oh Gott, wie peinlich. Jetzt den ganze Weg zurück. Dein Mädchen, total enttäuscht. Der niedliche Blondschopf, ein leichtes ironisches Lächeln. Die Besa, Sprössling einer Nation von Seefahrern, die wusste schon vorher, was angesagt ist: Sprung auf ihren Sattel, Kick auf den Kickstarter und ab zum englischen Fleischer in Lagos. Ein ordentlichen Fetzen Fleisch gekrallt und zurück an den Minigrill.

Damit kommen wir zu

Männer und Grillen.

Das ist ein hoch sensibles Thema. Wie viele Beziehungen der unterschiedlichsten Art sind schon  auf dem Grill gelandet und als ein Häufchen Asche in die verschiedenen Winde verweht worden.
Frauen holen das Fleisch, das schon fertig gewürzte, aus dem Supermarkt. Frauen bereiten die Salate zu in mühsamer Kleinarbeit, die Teller stellen sie bereit, das Besteck, die Gläser, das Baguette. Und alles bauen sie auf um den Grill herum, wo schon das jeweilige Männchen thront wie Zeus auf dem Olymp – ein Bier in der Hand statt des drohenden Blitzes –  und, mit der fröhlichen Meute über die Feinheiten des Grillens diskutierend, seinem Weibchen zuruft: „Bring mir doch noch ein Bier, Schätzchen, in habe gerade zu tun.“


Das kommt gar nicht gut. Dunkle Wolken ziehen düster durch Schätzchens Gemüt. In den tiefen Tiefen schlängelt es und bebrütet die uralte Frage aufs Neue: „Warum stehen die einen im Schatten und die anderen im Licht? Warum steh’ ich blöde Kuh im Stress, und er räkelt sich im Glanz der  Abendsonne?
Warum glänzt es in seinen Augen, als würde er mich gleich aufs Bett werfen (Ach täte er es nur!), wenn seine Hand voller Gefühl die Grillzange packt?

Bitternis vergiftet ihr eigentlich liebendes Herz, und mit Freuden würde sie ihrem Grillmaster dahin treten, wo er tatsächlich empfindlich wäre.

„Liebe Frau“, flüstert heute die Suzi, …

          Also da muss ich in mich noch einmal an die Suzi heranhorchen.
Gebt mir eine Woche, dann haben sich die Nebel gelichtet.

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