Grillen – immer noch Vorwort

„Liebe Frau“, flüstert heute die Suzi, die alte Anthropologin, die die Männer kennt und nicht weiß, ob sie sie hasst oder liebt, „du bist eben nur eine Sammlerin. Hier ’ne Beere, da ein Kohlkopf, hier ein Supermarktschnäppchen, da eine Salatsauce.
Aber der Mann, meine Guteste, der Mann ist ein Jäger, das flüstern ihm seine Gene. Den Hausschlüssel vor der Nase entzieht sich seinem Blick, aber nicht der Hirsch in der Ferne. Und am Grillrost, da brechen sie,durch die gelackte Oberfläche, diese Gene, diese Urinstinkte. Da ist kein Kollege, der ihm ans Bein pinkelt, da ist kein Chef, der ihn an  der Nase durch den Ring zieht. Da ist er King of the Road. Da reißt seine rechte Hand den Gasgriff bis zum Anschlag, dass es nur so kracht. Da wird, wenn nicht der Hirsch, so doch die Supermarktbratwurst erbarmungslos auf die Holzkohle geschmissen.
Denn: Der Mann ist ein Höhlenmensch.
Das Röhren einer Harley oder das Röhren eines Hirsches – wo ist der Unterschied! Nur der Biss in das rohe Fleisch ist berauschender.

Aber: Der Mann hat auch Kultur, meine Liebe. Daher grillt er das rohe Fleisch vor dem finalen Biss und wird somit zum Herrscher über Feuer, und Feuer ist Macht (haha!) und Weisheit (hoho!), zum Bändiger der Urgewalt wird er, der großzügig an die Sippe die Beute verteilt.“
Die Suzi rasselt vor Lachen, dass am nächsten Tag die Kette nachgespannt werden muss.

Die Suzi ist eine kluge Lady. In der Tat ist das Wenden einer Bratwurst so kreativ wie der Schlag auf den Hau-den-Lukas oder das Armedrücken in Didis Bar. Hamlet und Grillen, unmöglich. George Busch und Grillen, perfekt.

Also: Der eindimensionale Mann am Grill ist die Einfalt im Quadrat. Und welcher Biker ist schon eindimensional! Ob Kette, Riemen oder Kardan, ob off road oder on road, ob krachend, jaulend oder brummelnd, ob Ami, Italiener, Brite oder Kraut – du liebst sie alle.

Und du, mein bikender Freund, liebst dein Mädchen fast so wie dein Bike, und das verpflichtet. Und wie es dein Glück will, bist du eher ein Hamlet und sitzt nicht mit feistem Bauch im Abendrot, umgeben von einem gröhlend-lustigen Volk, sondern du ahnst, dass dein Mädchen kurz vor dem Sturz in die Melancholie steht.
Deshalb mein Rat: Denke an Plato und denke an deine weiblichen Gene.

Den Salat zauberst du selbst. An den Seelen deiner Kumpels nagt der Neid – die girls hängen an deinen  Lippen. Wenn dir nichts einfällt, denke an die Orgie in der Salatschüssel.

Und nicht vergessen: Frankies Crusty ist ein echter Ladykiller. Hole ihn rechtzeitig aus der Gefriertruhe.
Ein Tipp: Drucke das Rezept auf kleine blauen Zettelchen, sie werden die aus der Hand gerissen werden.

Und das Fleisch, ja, das hast du natürlich selbst ausgesucht. Als Mann hast du ein ganz ursprünglicheres Verhältnis zum Fleisch. Frauen und Fleisch – das ist ein ganz düsteres Kapitel. Du haust das Fleisch nicht einfach stumpf auf den Grill, du streichst ihm zärtlich über die Seiten. Industriewürze? Kotz würg! Du weißt genau, welches Gewürz dein Grillfleisch zum Lächeln bringt. Sei kommunikativ, rede mit ihm. Zeige ihm, dass es etwas Besonderes ist.

Und bedenke: Auch ein Fisch macht sich gut auf dem Grill oder ein sorgfältig ausgewähltes Gemüseteil. Und wenn du bei den Frauen am Grillabend landen willst, dann ist Käse angesagt.
Käse und Grillen? Spinnst du, oder was?
Ich spinne nicht. Mit einem ordentlichen Käse wird sogar aus dem lieblos herangekarrten Schweinkotelett ein Gaumenschmaus.

Und damit können wir anfangen (endlich!) , aber – du ahnst es schon – erst nächste Woche.

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