Grillen – Cevapcici (Ćevapčići)

 Cevapcici (Ćevapčići)
Ich weiß, du bist ganz verliebt in die schwellend dahin gerollten Cevapcici, die die rotbackige Fleischersbraut unter ihrem freundlichen Busen für dich ausbreitet hat. Vergiss auf keinen Fall den freundlichen Busen, aber vergiss die Cevapcicis von der Stange. Die Brutalität der Gewürzmischung wird nur übertroffen von dem Grauen einer Fehlzündung.
Denke daran, Cevapcici, das ist Romantik des Orients gepaart mit der erdigen Poesie des Highways. Schon die Kamelreiter des Osmanischen Reiches dachten nur an  zwei Dinge, wenn die sengende Sonne ihnen zeigte, wo die Hölle wohnt: An ihre geliebte Frau und an ihre geliebten Cevapcicis.
Wenn unsere osmanischen Kamelreiter am Abend in die Karawanserei einliefen – über sich den weiten Sternenhimmel, unter sich den schwingenden Rücken des Kamels, sie selbst durchgeschwitzt, vom Fahrtwind verdreckt, die Knochen voller Schmerzen – dann johlten sie am Kebabstand dem Kebabgriller entgegen: „He Kebabci, wo bleibt mein Kebab?“

Aber heute war nix mit Kebap. Heute waren die Spieße blank und der Kebabgrill Kebab frei.
Warum? Weil, die Frau des Kebabci hatte eine Vision, und das kam so.

Vor drei Nächten –  ihr heiß geliebter Kebabci kam gerade aus dem türkischen Bad, wo er all die unterschiedlichsten Küchengerüche abgelegt hatte – legte sie zu Hause fast alle ihre Schleier ab und drapierte sich verführerisch quer über das Ehebett. Hier ein Bein neckisch gelagert, dort ein Busenteil nur mühsam vom letzten Schleier gebändigt.
Es kam, wie es kommen sollte: eine Nacht heiß und süß wie der sprichwörtliche arabische Kaffee.
Am Morgen schwebten die erschöpften Sinne der Frau des Kebabcici in träumerischem Halbschlaf, ihre Seele, ihre Erinnerungen in einem Kokon von Zärtlichkeiten schleiter-montage-farbe.jpgeingesponnen, ihre Hände noch voller Erinnerungen an die Ekstasen des Liebesspiels, hier ein Streicheln, dort ein Griff – und da wurde sie hellwach.
Vor sich sah sie eine Reihe von prall ausgerollten Fleischfingern. Woher ihr diese Vision kam, wusste sie nicht, aber sie fühlte eine tiefe Freude bei diesem Anblick.
Schnell sprang sie auf, holte aus dem Keller einen Fetzen Hammelfleisch, hackte es klein, würzte es nach Kebapart und rollte es voller Genuss zu prallen Wurstfingern. Und die nannte sie zärtlich „Mein Kebabci“. Und bald wurde daraus „ein Cevapcici“. Und diesem Cevapcici gelang es, woran die Türken scheiterten: Es eroberte Europa

So machte ich meine Cevapcici für 4 Personen:

Sack und Asche,
die habe ich lange nicht mehr mit meinen kleinen Bikerfäusten geknetet. Da – also in die Bauart – muss ich mich diese Woche noch mal rein knien.

Und wie es der Zufall will, muss ich am Sonntag – so Gott und der streikende Fliegerservice es will – meinen Flieger nach Malta entern. Dort tauche ich für drei Wochen ab. Und da kann ich für nichts garantieren.

Das Knien (das ist schon grammatikalisch korrekt, hat nichts mit dem Knie zu tun) war OK

So machte ich meine Cevapcici für 4 Personen:

Von der busenfreundlichen Fleischersbraut hole ich mir 500g Hackfleisch. Ich nehme halb Schwein, halb Rind. Ein echter Kebabci nimmt natürlich nur Rind oder Hammel.
Dann breite ich um mich herum aus

  • ein Drittel einer roten Paprikaschote
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 2 TL Oregano. Wenn er frisch ist, hack ihn klein.
  • Salz,
  • Schwarzen Pfeffer
  • süßes Paprika

Und hier die optionalen Extras

  • scharfes Paprika
  • oder Cayennepfeffer
  • oder eine Chilisschote
  • oder sonst was Heißes.
  • grüne Oliven auf dem Kern

Und so gehe ich zu Sache:

  • Den vitalen Knoblauch fixiere ich mit Salz und quetsche ihn dann mit der Gabel die Seele aus dem Leib, bis die Seele in einen sämigen Brei transformiert wird.
  • Die üppige  Paprikaschote zerlege ich in zarte Streifen und hacke sie dann kleiner als klein, schmeiße schließlich alles auf das Hackfleisch, würze alles mit schwarzem Pfeffer, greife dem Gemenge lustvoll in die Seiten und walke es mächtig durch. Vielleicht salze ich alles noch leicht nach,

1. Option –  für die harten Kerle:
Mit scharfem Paprika oder Cayennepfeffer kannst du die Schärfe stufenlos hochschalten. Ach, sagst du, das geht auch super mit  klein gehackten Chi- lischoten. Aber klar, das geht so gar mehr als super – wenn du wach sam bist. Die Chilischote ist ein hinterfotziges Früchtchen. Es tut so, als kkönne sie kein Wässer chen trüben, aber wenn du fröhlich zum nächsten Bissen greifst, fegt sie mit einem Feuersturm durch deinen Rachen.
Gerade willst du dich zärtlich über deine Liebsten beugen, da explodiert in dir ein Vulkan und Flammen schlagen aus deinen Nasenlöchern (das ist wieder eine Metapher).
Und nicht vergessen: Die heiße Variante brennt zwei Mal: Einmal, wenn sie in dich hineingeht und einmal, wenn sie dich verlässt.

Daher der Tipp einer verbrannten Seele: Wenn du einen Teil der Kerne entfernst, werden die Schoten zahmer.

2. Option –  für die Olivenfreunde
Du ersetzt das Drittel einer roten Paprikaschote durch 10 grüne Oliven auf dem Kern, die du in möglichst kleine Würfel schneidest (nicht die Kerne, das Olivenfleisch).

Damit kommen wir zum Finale.

Wenn du dein ganz  persönliches Gemenge durchgewalkt hast, puderst du auf einem großen Holzbrett oder wo es sonst einiger Maßen sauber ist, süßes Paprikapulver und rollst in diesem Pulver deine Cevapcici zu den prallen Fleischfinger aus, 15cm lang und 3 cm hoch.

Auf dem Grill brauchen diese üppigen Geräte 7-10 Minuten und wollen mindestens vier Mal gedreht werden. Teste einen Fleischfinger mit einem scharfen Messer, die Finger werden leicht trocken – und nicht vergessen: kalt schmecken sie fast noch besser.

Und auch nicht vergessen. Sie wollen eine ordentliche Sauce. Da gibt es viele (auch gute kommerzielle) Möglichkeiten. Ich mache mir gern dazu mein

Tsatsiki.
Das ist eine simple Angelegenheit. Du verrührst

  • 500g Quark
  • 125g Joghurt
  • 1-2 EL Olivenöl
  • 1 EL Dill
  • 1. EL Schnittlauch klein geschnitten
  • ½ geraspelte Gurke (ich schäle sie nicht, ich stärke mein Immunsystem.)
  • 5 grüne Oliven auf dem Kern in Späne geschnitten
  • 2 Knoblauchzehen, wie oben mit Gabel und  Salz zerdrückt. (Knoblauchmäuse nehmen auch schon mal 3 Zehen)

Dann schmeckst du alles mit Salz und Pfeffer ab und lässt das Tsatsiki sechs Stunden im Kühlschrank ruhen.

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