Grillen – Das Schweinekotelett

Nach dem maltesischen Intermezzo zurück zur deutschen Grillhöhle und zu

4. Schweinekotelett (Nacken bzw. Hals)
Zum Abschluss der Fleischserie der Klassiker männlicher Grillorgien, das Schweinekotelett –  der Knochen mit üppig ausladendem Fleischlappen, von kundiger Hand aus dem Nacken eines rosigen Schweinchens geschnitten, liebevoll von der busigen Fleischersbraut – höre ich hier einen obsessiven Unterton? – den Frischfleisch suchenden Augen einer grillsüchtigen Kundschaft verlockend dargeboten, um dann, dem Wunsch eines Kunden gehorchend, dieses Frischfleisch mit flinken Händchen in einen passenden Beutel aus Plastik zu tüten, diesen Beutel von einem weiteren Beutel umschließen zu lassen – denn Plastik ist gut und gut kann nicht schlecht sein – , und dann den Kunden Richtung Kasse zu entlassen, wo der leicht slawische Akzent der (oh Gott, schon wieder busigen) Kassiererin in ihm Schwingungen hervorruft, gegen die die Vibrationen seiner ach so geliebten wie gehassten BSA Lightning aus jugendlichen Zeiten– Vibrationen, die eine neurotische Kurbelwelle über den Po, dem damals noch knackigen, hoch schickte bis zu den Wangen, dass die Brillengläser aus der Fassung sprangen – gegen die also diese Vibrationen Kinderkram sind (Mein Gott, ich habe zu viel Thomas Mann gelesen!).

Wie dem auch sei, in dir brodeln die Hormone. Dir ist, als müsstest du dein schon etwas biegsames Gebiss in ein saftiges Stück Fleisch schlagen, auch wenn einer deiner kostbaren Zähne von dort nicht mehr zurück will. Kurz: Dir ist nach Orgie.

Es ist schon erstaunlich, was der Kauf eines so schlichten Lebensmittels wie ein Schweinekotelett im Supermarkt beim Manne lostreten kann. Für eine Frau ist dies natürlich gänzlich unerklärlich. Fleisch begegnet sie mit tiefstem Misstrauen, Orgien der Lust sind ihr verhasst. Der passende Querverweis für Lklimt-2 schrift-kletzteres ist mir leider verloren gegangen, aber hier ein Foto aus dem realen Leben:

Du, der du nicht nur zärtlich mit dem Drehgriff deiner Ducati spielen kannst, sondern auch auf der breit angelegten Tastatur einer geliebten Frau (Kichert das jemand?), legst schon einmal den mittelalten Gouda oder den Allgäuer Parmesan neben deinen Fleischberg, neben das Oregano, die Knoblauch- zehen und die Zitrone, und dann raubst du den Koteletts die Knochen, beträufelst das Fleisch mit Zitronensaft, jeder Seite belegst du mit 3 bis 4 dünnen Knoblauch-scheiben und bestreust alles vorsichtig mit Oregano, stapelst deine Koteletts und lässt sie vor dem Grillen mindestens zwei Stunden ruhen.
Dann kratzt du den Knobi herunter und haust die Koteletts auf den Grill, gibst von jeder Seite für drei Minuten volle Hitze.

Und wenn dann eine Lady dich anknurrt: „Männer und Fleisch, das finde ich so was von öde“, dann zauberst du cool  auf das saftige Fleisch eine Scheibe Gouda, die sich sofort zärtlich über die Seiten deiner zarten Grill-kreation neigt, und schon hast du wieder eine Freundin gewonnen – nicht bei Facebook,

sondern in echt.

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