Grillen – Thun- und Schwertfisch

Frerk haut sich den Rucksack auf den Rücken, kippt seine Triumph vom Ständer und schwingt sich in den Sattel. Schlüssel gedreht, Anlasser gedrückt, Gang reingetreten und dann mit Schwung den Gasgriff angerissen. Und wuuusch, schon beißt sich der fette Schlappen der Triumph räuchernd in den Asphalt, der Motor jubelt sich empor zu seinen Lieblingsdrehzahlen und ab geht die Post –  und die Passanten rechts und links schwingen wütend dieses und jenes.

Frerk ist gut drauf. Frerk hat in zwei Stunden ein date. Mit wem hat er das date? Mit Janine natürlich.

Janine? Janine? Wer ist Janine?

Janine ist ein Mädchen von einigen dreißig Jahren. Und wo wohnt Janine? Gleich hinter dem Deich von Dangast.

Frerk steht auf reife Ladies, weil: Von denen kannste was lernen. Und wenn Janine nach einer heißen Nacht bei klirrender Kälte ihre vielfältige Wäsche am Strande von Dangast hisst, da bleiben die Männer stehen und kommen ins Träumen.k-montage

Diese reife Lady fährt zwar kein Motorrad, sondern bloß einen knallroten Fiat Panda, aber den fährt sie mit einem Schwung, da fragt man sich: Warum fährt die kein Motorrad? Wenn Janines  schlanke Beine energisch Kupplung, Gas und Bremse bearbeiten, da schwingt ihr Busen vor Begeisterung – der linke schwingt ein ganz klein wenig tiefer – Mann, stöhnt Frerk, das macht dich echt an.

Und das Tolle ist: Janines Begeisterung ist noch ausbaufähig. Daher hat ihr Frerk in den Panda einen Sportluftfilter reingefummelt. Ob der rote Panda jetzt rasanter an der Ampel losfegt, ist zwar zweifelhaft, aber der Sound ist optimal. Und nichts ist schöner als das Funkeln in Janines Augen und das Schwingen der beiden asynchronen Brüste, wenn der Panda es mal so richtig krachen lässt – na ja, eins ist schon noch schöner, aber das ist eine andere Sache.

Bevor ich total den Faden verliere: Frerk ist mit seinem Bike auf dem Wege zu Janine. Sein Sixpack Jever schlummert schon im Tankboy, und was fehlt da noch? Richtig, sehr gut. Das Grillgut fehlt, denn unser Thema ist das Grillen. Also bei Leer rauf auf die Autobahn und in Groningen wieder runter. Frerk weiß: Wenn Janines Wangen von Fisch umflorten Händen gestreichelt werden, dann schmilzt die Gute dahin.

Auf dem Fischmarkt wimmelt es von Fischen. Frerk geht auf Nummer sicher und greift sich zwei Thunfisch- und zwei Schwertfischsteaks, und zurück geht’s über Rheda und den Küstenkanal und schon blubbert seine Triumph vor Janines Reetdach. Die tritt dort gerade wütend gehen die Räder des roten Pandas. Der röchelt verzweifelt. Der Sportluftfilter war wohl doch keine gute Idee.

Als Frerk ihr die Fischsteaks sanft vor der Nase schwenkt, da klingeln die Schmetterlinge.

„Oh, wie du riecht“, lächeln ihre Augen, „oh dein Duft, die Weite des Meeres, der Horizont, die Freiheit.“ Und ihre Augen werden ganz weich. „Mein kleiner Pirat“, flüstert sie und Frerks schwarzer Bart kräuselt sich vor Vergnügen, weiß er (also Frerk) doch: Dies wird ein schöner Abend..

Und Janine hat nicht nur auf ihren Panda eingetreten. Aber nein, drinnen hat sie schon alles vorbereitet. In der Küche stehen, sitzen, liegen:

Also was da so steht, sitzt und liegt ist nächste Woche dran. Draußen ist der Oktober goldener als gold und meine BMW will  jetzt  mit mir über St. Gallen zum Säntis, und in der Schweiz geht alles etwas lässiger voran     

k-säntis-blick2.-klUnd schon bin ich zurück. St. Gallen ist eine Wucht, der Säntis haut dich um, und die Röstis im weitläufigen Töfftreff des Berghotels an der Talstation der Säntisbahn hauen dich noch ummer, geben sie deinem etwas bröckligen Fahrgestell (ich spreche nicht von deinem Bike) doch den Wumm, den es für die Rückfahrt braucht.

Aber darüber wollen wir nicht die Frage vergessen: Was hatte die gute Janine in der Küche stehen, sitzen, liegen?

  • Einen knackiger Salat auf Vinaigrettebasis hatte sie dort
  • und Zitronenscheiben für den Fisch,
  • eine Flasche Olivenöl für Fisch und Kartoffeln für Janine
  • zerlassene Butter mit einem Spritzer Zitronensaft für Frerk
  • und einen Topf mit zukünftigen Pellkartoffeln.

Tipp: Da nicht jeder Biker den Fischmarkt in Groningen plündern kann, müssen die Tiefkühltruhen der Frosterzentren dran glauben. Das ist dem Fisch egal, aber tue ihm einen letzten Gefallen: Lasse ihn langsam auftauen (im Keller z. B. oder im Gemüsefach.). Und wenn er dann aufgetaut ist, trockne ihn sorgfältig mit Papierhandtüchern ab, das mag er, und ein fröhlicher Fisch schmeckt alle mal besser als ein Fisch, der noch auf dem Grill herumnörgelt.

Und wenn der Fisch bereit ist für die letzte Ölung, dann hast du zwei Möglichkeiten:

  • a) Du zerlegst drei Knoblauchzehen in feine Scheiben und belegst den Fisch mit je drei bis vier Scheiben, dann darauf Pfeffer und Zitrone, darauf die nächste Schicht usw.
  • b) du zerquetschst zwei Knoblauchzehen mit der Knoblauchpresse, gibst einen Esslöffel Olivenöl und den Saft einer halben Zitrone hinzu, verrührst alles zu einer wüsten Pampe und streichst diese Pampe auf den Fisch, den du dann stapelst. Die zweite Variante ist was für unverbesserliche Knoblauchmäuse.

In beiden Fällen lässt du deinen Fisch mit der letzten Ölung drei Stunden allein, zeigst deiner Liebsten ein paar Fotos, z.B. vom Säntis (z.B. dieses), k-säntis-blick1-kl

dann salzst du deinen Fisch und 15 Minuten später will der auf den Grill.

Und da hast du wieder zwei Möglichkeiten:

  • a) Der Thunfisch ist sehr hitzeempfindlich: Wirf ihn auf den Grill, gib ihm drei Minuten auf jeder Seite und nimm ihn dann schnell aus der Hitze. Er leitet die Hitze enorm, und er leitet sie auf dem kühlen Teller energisch weiter. Wenn du unsicher bist, scheue dich nicht vor einem Probeschnitt. Nur eine Reifenpanne ist nervender als ein trockener Thunfisch, dann schon lieber innen ein Rest von Rohheit.
  • b) Der Schwertfisch ist ein anderer Geselle. Bei dem braucht die Hitze etwas länger, bis sie das Fleisch im Griff hat. Und ein Schwertfisch mit einer rohen Innenlinie macht dir keine Freunde. Also fünf Minuten links und fünf Minuten rechts.

Und wenn die berauschenden Düfte des dahingrillenden Fisches die Abendluft veredeln, wenn die Katzen in Tammo Öltjebruns sein Garten mit vorsichtig schnuppernden Näschen die Richtung peilen und sich schon mal auf runden Pfoten durch die Beete schleichen, dann greifst du  die Flasche Bardolino – denn zum gerillten Fisch trinkst du rot – , reichst mit deinen Fisch getränkten Händen ein rot funkelndes Glas deiner Liebsten –  und wenn du Glück hast, dann seufzt sie: „Mein kleiner Pirat, oh wie gut du du riechst, das Leben ist doch schön.“

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