Lachs im Schinkenmantel

E-Mail in der grauen Jahreszeit

Ihr Lieben,
gestern Abend bin ich mit dem Taxi nach Hause gekommen, der Taxifahrer hat mir meine Krücken gereicht, und dann bin ich in das Haus gekrückt. Jetzt liege ich im Sessel, das rechte Bein vorschriftsmäßig hoch gelagert, denn mein rechter großer Zeh ist beaufiziert worden: ein Knorpelauswuchs mit Hammer und Meißel abgetragen, das Gelenk korrekt abgeschmiert. Auf dem Schoß liegt ein spannendendes Buch: „Sieben Tage bis Arles.“
Die nächsten zwei Wochen bin ich invalid, aber wie es der geplante Zufall will, ist das Wetter auch invalid.

Und so denke ich denn an die vergangenen Sonnentage, z.B. als ich vor einigen Wochen in den Schwarzwald gebrummt bin. Das war ein abenteuerliches Ding. Hier die Kurzform:
Am Dientag Abend die Schwarzwaldtour im Navi überarbeitet.
Am Mittwochmorgen in den Nebel geschaut, der waberte bei 6°C um das Haus. Webcamcheck: Stockach nebelfrei. Sauber.
Zwei Brötchen, 150g Lachs und einen Liter Apfelschorle im Tankboy verstaut und angekleidet.
Zwei Paar Socken auf die Füße, zwei Paar lange Unterhosen, Unterhemd, Thermounterhemd, T-Shirt, Unterziehpullover und den Norweger Pullover für die harten Winter.
Dann rein in die Montur, irgendwie die Reisverschlüsse zubekommen, wie ein Michelinmännchen die Treppe heruntergetrappst, Abschiedsumarmung gestrichen, die Arme waren biegungslos geradeaus eingerastet.
Auf die Bonneville und ab in den Nebel. Nach zehn Minuten mehr oder wenig blind rechts ran. Das eingenebelte Visier hochgeklappt, die Brille im Tankboy verstaut. Weitergefahren.
Nach weiteren zehn Minuten Stockach passiert. Tiefster Nebel. Stinkefinger an die Webcam.
Aber nach 15 Minuten flogen in Engen die Nebel hoch – azzurro, und zwar molto – und kurz danach flog ich durch Bonndorf und schoss rein in die Wutachschlucht.
Der Himmel so klar und die Luft so mild.15-11 rast 1
Schluchsee links, Titisee rechts, rüber über den Feldberg, runter nach Todtnau und nach vielen weiten Kurven und vielen engen Spitzkehren bei KM-Stand 181 in Münstertal gelandet. Hoch über dem Ort Pause gemacht, das Licht bewundert, das Fresspaket ausgepackt und mit einer Gier und Lust meine Zähne in das Lachsbrötchen geschlagen, dass die Bonnie verschämt den Scheinwerfer senkte.15-11 rast 3Die Rückfahrt über Todtmoos und Sankt Blasien so berauschend wie die Hinfahrt. Und dann das ganz große Bild.
Fünfzehn Kilometer vor Stockach über eine mächtige Erhebung gefahren und in die Bremsen gestiegen. Unter mir lag weit hingezogen der Bodensee als malerisches Nebelfeld.15-11 nebel
Noch einmal geflucht, dass ich nur das Smartphone bei mir hatte.
Dann weiter, tiefer, tiefer, nebeltief. Wieder in der Nebelsuppe. Inzwischen hatte ich Routine, Visier hoch, Brille weg, Heizgriffe an.
Es wurde kalt.
Um halb sechs zu Hause eingelaufen, raus aus den Kleidern, Frau umarmt, von der heißen Dusche abgebrüht, der Frau um den Hals gefallen, denn die hatte eine Überraschung für mich. Die hatte einen Lachsfilet und eine Packung Parmaschinken in die Küche gelegt. Die wollte feiern.
Was sie feiern wollte? Die wollte feiern, dass sie ihren ‚Kerl‘ gesund wieder hatte.
Und jetzt hängt dieser ‚Kerl‘ mit seinem Schönheitszeh im Sessel wie ein krankes Hühnchen.

Grüße

PS.: Wenn ihr an einem der anstehenden Festtage eure Leute überraschen wollt, ohne dass ihr euch in der Küche krank schuftet, dann ist dieser Lachs ein spannender Tipp, immer voraus gesetzt, dass eurer heiligen Weihnachtsmeute nicht bei dem Gedanken an Fisch das Frühstück an die frische Luft will.

Und damit kommen wir gleich zu Sache.
Vorbemerkung zum Fisch:
Es muss kein Lachs sein, aber ein fester Fisch wie Forelle, Saibling,, Heilbutt, Wolfsbarsch oder eben der Lachs .
Vorbemerkung zum Schinken: Es darf kein geräucherter Schinken sein, der macht mit seinem starken Eigengeschmack dem Fischaroma den Garaus. Wenn kein Parmaschinken greifbar ist, dann suche einen anderen luftgetrockneten Schinken.
Vorbemerkung zur Pasta: Das ist eine Pasta nach Risotto Art. Dazu passen am besten kleine Ringformen, Muscheln, Hörnchen. Ich ziehe Tagliatelle vor, und zwar die Art, die wie Knäule geformt sind (s.u.). Aber auch kurze Makkaroni sind möglich.

Hier die Foodware für 2 Personen
. 1 kleine Zwiebel, gehackt.
• 1/2 rote Paprikaschote, klein gewürfelt
• 1-2 Knoblauchzehen, klein gehackt.
• 1 EL Olivenöl oder Bratbutter
• 100 g Tagliatelle
• 50 ml Rotwein
• 150 ml kräftige Geflügel- oder Gemüsebrühe
• 1 große Tomaten (ca 100 g), geschält und gewürfelt
• 50 g Taleggio (Käse, siehe unten) • Salz • schwarzer Pfeffer
Für die Fischfilets
. 1/2 Bund glatte Petersilie
• 1/2 TL grober Senf (kann bei  entschlossenen Senfmuffeln gestrichen
werden)
. 1-2 EL Taleggio (siehe unten) oder „Chevremousse“ oder „Philadelphia
Balance“
• 2 EL geriebener Parmesan
• 1 EL (eher gestrichen) Kapern kleingeschnitten
• 1 EL weiche Butter
• Kein Salz, der Schinken und die Kapern bringen’s
• schwarzer Pfeffer
• 6 Scheiben Parmaschinken
• 2 Fischfilets ohne Haut und Gräten (à 150 g, z. B. Forelle, Saibling,
Zander, Lachs)
• 1 EL Olivenöl
TIPP: Ist kein Taleggio im Haus, dann nimm ca. 40 g geriebenen Parmesan und 4 EL Fischsud und alles zu einer Paste rühren.

Und so gehst du vor:
1. Die Tagliatelle kommen gern als Knäulgebinde. Vier Knäule entsprechen ungefähr 100 g. Also ganz einfach die vier Knäule in die Hand nehmen, einmal kurz zugedrückt, knack, knirsch und schon haben sie die passende Form.
2. Jetzt die Zwiebel, die Paprika und den Knoblauch in dem Olivenöl bei mittlerer Temperatur anbraten,  dann die Tagliatelle zugeben und ebenfalls anschwitzen.
3. Mit Rotwein ablöschen und mit Brühe aufgießen, Deckel drauf und kurz aufkochen lassen.
Deckel herunter, etwa 15 Minuten sanft köcheln lassen. Dabei ab und zu umrühren.
Dann die Tomaten und den leicht zerpflückten Taleggio zugeben. Nochmals aufkochen, salzen und pfeffern, umrühren und warm stellen.
4. Die Petersilienblätter abzupfen und hacken. Mit Senf, Parmesan, Kapern und Butter zu einer Paste verrühren. Mit Pfeffer abschmecken.
ACHTUNG: Zuviel Senf ist absolut tödlich für den Fisch, also ranschmecken.
5. Je zwei (oder drei) Scheiben Parmaschinken dicht nebeneinander auf der Arbeitsfläche ausbreiten und je ein Filet darauf platzieren. Die Gewürzpaste gleichmäßig auf die Filets verteilen und den Schinken seitlich über die Filets klappen. Die Schinkenscheiben aufwickeln, sodass ein Röllchen entsteht.
6. Den Backofen auf 180 Grad Umluft oder auf 200 Grad Ober- und Unterhitze aufheizen. Ich ziehe die letztere Variante vor, da der Schinken weniger austrocknet.
Nach 8-10 Minuten (je nach Rollladenhöhe) ist der Fisch fertig.

Auf die vorgewärmten Teller die Pasta anrichten und je ein Fischröllchen darauf legen, ein Weihnachtslied singen, aber kein deutsches, da macht man nur bei Pegida, und dann loslegen.
Frohes Fest.

weihnachtsmann

 

 

 

 

 

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